Der Grüßende am Ostermorgen

Ein Gruß erklingt in der Morgenröte des ersten Tages der Woche. Der Gesuchte kommt den Frauen entgegen und begrüßt sie von ferne wie ein vertrauter Freund: Chaírete! (Mt 28,9f.).

Matthäus, der Evangelist, der uns dieses Jahr sonntags in der Liturgie begleitet, lässt den Auferstandenen nicht wie seine Kollegen Lukas und Johannes nach semitischer Art grüßen (Friede sei mit euch! – also: Schalom!), sondern nach der griechischen: Chaírete!

Dieses Grußwort hat kein religiöses Erkennungsmerkmal. Es sagt schlicht das aus, was es besagt: Chaírete! Wörtlich: Freut euch! Könnten wir Leser das Gesicht des Grüßenden sehen, würden wir sicherlich einen freudestrahlenden Auferstandenen vor uns sehen, einen Mann, der über das ganze Gesicht lächelt.

Sein Gruß ist keine Floskel. Er spricht ihn aus – aus tiefer Freude! Gründe dafür hat er genügend. Er freut sich, dass sein Vater ihm von den Toten erweckt und dadurch den Tod besiegt hat. Er freut sich darüber, die beiden Frauen und später auch seine Freunde in Galiläa wieder zu sehen. Er freut sich auf Galiläa, die Stätte seines Wirkens und der Hinwendung seiner Botschaft zu allen Menschen der Welt.

Der Grüßende freut sich darüber, ein Mensch zu sein. Und dass er mit seiner Auferstehung die Grenze des menschlichen Lebens durchbrochen hat in einen neuen Raum jenseits des Todes. Er freut sich darüber, dass er uns nun vorausgehen und die Fackel in eine unerschlossene Weite halten kann, sodass wir, wenn wir sterben, ihm folgen können. Freilich: Der Grund seiner österlichen Freude bleibt ein Ausblick ins Unbekannte, bei dem wir unsere Kurzsichtigkeit und die Enge unserer Schritte schmerzlich spüren. Aber an Ostern überwiegt seine Freude. Seine Freude über uns!

Und wie reagieren die Frauen auf den Gruß des Auferstandenen? „Maria aus Magdala und die andere Maria“ erkennen ihn sofort, gehen auf ihn zu und erwidern selbstverständlich seinen Gruß. Allerdings nicht mit Worten, sondern mit Grußgebärden ihrer Zeit: Sie werfen sich vor ihm nieder und umfassen seine Füße. Mit der Berührung seiner Füße deuten sie die Realität seiner Leiblichkeit an, mit ihrer Huldigung erweisen sie ihm die Ehre, die der Kyrios nun über Leben und Tod besitzt. Beide Gesten transportieren ihr momentanes Empfinden, ihre Haltung zu ihm, stiften Identität untereinander und mit allen, die sich auf den Auferstanden einlassen wollen.  

Chaírete! Freut euch! Lassen wir uns heute vom Auferstandenen so begrüßen. Lassen Sie uns seinen Gruß bewusst vernehmen. Als Gemeinde. Und persönlich. Und lassen Sie uns seinen Gruß erwidern und dabei persönlich das ausstrahlen, was sein Gruß in uns auflöst.

Als die vom Auferstandenen Gegrüßten sind wir dazu beauftragt, Grüßende zu sein oder zu werden. Sein österlicher Gruß lässt uns Kirche mit anderen und für andere sein. Mit einem Gruß fängt es an. Was aber, wenn es schwierig ist mit dem Gruß? Wenn wir an Menschen geraten, die keinen Kontakt wünschen? Der Evangelist Matthäus ist hier eindeutig: Das grüßende Wort braucht ein offenes Ohr – der Gruß kann nur wirken, wenn er angenommen wird, sonst kehrt er zum Grüßenden zurück (Mt 10,13). Von einem Gruß kann große Wirkung ausgehen. Denn Leben ist Begegnung.

Frohe Ostern!

Hector Sanchez

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